Region 10
Neckarland, Schwäbische Alb, Schwarzwald

Bürgle bei Gosheim
Frauenfelsen und Frauenhöhle bei Kolbingen
Cornelia Rothenburg


Das Bürgle


Auf dem „Bürgle“ zwischen Gosheim und Wehingen thront eine Marienkapelle. Hinauf führt der katholische „Kreuzweg“ der Wehinger Gemeinde. Direkt unterhalb der Kapelle befindet sich ein geschützter Platz mit einer Lourdes-Grotte. Besucherinnen betreten die Kapelle in der Regel nur, um die Glocke zu läuten – das zeigt den Daheimgebliebenen an, daß man es geschafft hat. Aufhalten tut frau sich auf dem einladenden Platz vor der Lourdes-Grotte.

Die Kapelle wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, dabei wurde auch die Grotte gestaltet. Das „Dach“ der Grotte ist aufgemauert, der Sockel jedoch ist Natur. Kommt man den Kreuzweg herauf, sieht man ihn von hinten und erkennt deutlich, daß er einer der typischen weißen Felsen der Alb ist, die aus dem Waldboden ragen wie Zähne aus dem Zahnfleisch. Diese Rückseite weist einige, für unsere Begriffe sehr schicke Spalten auf. Des Weiteren wächst wie ein Wächter daneben eine imposante Buche, ihr gegenüber ein kleinerer, abgeflachter Felsen mit einer Schale – wenn man sie denn sehen will.

Auffallend ist auch, daß der Felsen sozusagen eingebettet ist zwischen zwei busenrunde Berge, einer davon der mit der  Kapelle, einer  davor, durch Baumbewuchs in seiner Symbolik zunächst gut getarnt. Zwischen den beiden Hügeln verläuft ein Graben, der zur anderen Seite der Hügel hin durch einen Wall /Hohlweg verlängert und vertieft ist. Da ich festgestellt habe, daß viele Bergkuppen hier in der Gegend, die im Flurnamen ein „-burg-“ tragen, vorgeschichtliche Siedlungsplätze und Fluchtburgen waren (strategisch günstig nur von einer Seite zugänglich, oft mit Wall), gehe ich davon aus, daß auch das „Bürgle“ zu den Orten mit solcher Vergangenheit gehört.

Die Heiligkeit des Ortes ist bis heute ungebrochen und konzentriert auf den Felsen bzw. die Grotte.  Zwei markante Laubbäume: die erwähnte Buche hinter der Grotte am Pfad, und ein Baum genau im Graben zwischen den Bergen.

Die etwas muffige Kapelle ist sonst nicht so mein Fall aber bemerkenswert fand ich diesmal das Altarbild der Kapelle. Es zeigt die „14 Nothelfer“, also außer der Himmelskönigin auch die drei Jungfern mit halbem Rad, Kelch und Drachen, den unvermeidlichen Drachentöter und, unter anderen, männliche Heilige mit folgenden Attributen: Kelch, Hirsch und Hirschkuh. Hm… ;-)


 
Frauenfelsen und Frauenhöhle bei Kolbingen

Mein offizieller Höhlenführer des LK Tuttlingen behauptet, es gäbe in unmittelbarer Nachbarschaft der bekannten und touristisch erschlossenen Kolbinger Höhle noch einen Aussichtsfelsen namens Frauenfelsen mit einer zugehörigen „Frauenhöhle“.

Eigentlich sehr leicht zu finden, aber nicht konsequent ausgeschildert. Die Leute vom Albverein, die die Hütte bei der Kolbinger Höhle bewirteten, hatten gar noch nie von einem Frauenfelsen gehört, geschweige denn von einer weiteren Höhle. Bezeichneten den mit einem Gipfelkreuz markierten Aussichtspunkt in der Nähe gar als „Gelber Felsen“, was nun völlig falsch ist, denn der steht einen Taleinschnitt und zwei Bergkurven weiter westlich über Mühlheim…

Nun: einfach vom Aussichtspunkt der Kolbinger Höhle dem Pfad nach rechts folgen. Dort, wo er über die Felskante nach unten führt (klettern - festes Schuhwerk nötig), wo die Wanderer Pipi machen (tststs, die Hütte hat ein superneues, duftendes, gepflegtes WC!) und ihre Bananenschalen über die Felskante schmeißen, geht es zum Zauberort unserer Ahninnen.

Nach dem kurzen Kletterabschnitt geht es rechts an der Felswand entlang zur Frauenhöhle. Formen der Höhle an Symbolik nicht zu überbieten. Einstieg kriechend, dann aufrichten: Die Frauenhöhle bietet genau einen wunderbar ausgeformten, bequemen Sitzplatz mit umgebenden Ablageflächen.

Der perfekte Ort für Kontakt mit Mutter Erde. Sie ist an dieser Stelle sehr stark zu spüren und umhüllt mit Geborgenheit. In der Felswand außen viele kleine Öffnungen, die einladen, Gaben abzulegen.

Am Kletterabstieg geradeaus, vorbei an der Wächterbuche, gelangt frau zu den verschiedenen Stufen des weit ins Donautal ragenden Frauenfelsens. Ein Ort außerhalb der Zeit. Die Felsen erzählen Geschichten und unsere Ahninnen haben dort Erinnerungen hinterlassen.

Zurück auf dem Waldweg beim Frauenfelsen: ein Wirtschaftsweg, der im Sommer mit Himbeeren und dergleichen überwuchert, führt in den Wald zu einer vorgeschichtlichen Siedlung und weiter zu einem Hügelgräberfeld.
Direkt am Parkplatz für Höhlenbesucher Reste eines Walls, Pfad entlang des Walls, geradeaus vom Parkplatz in den Wald hinein (auffällige Buchen weisen den Weg) zu einem magischen Platz. (Kennzeichen: Christus-Kreuz am Wegrand, schamanische Steinfigur). Möglicherweise einmal der „Checkpoint“ für Besucher der Siedlung.

Sehr dichte Atmosphäre. Spannend. Nicht unangenehm.

Cornelia Rothenburg