Region 8
Thüringer Becken, Vogtland, Thüringer Wald


Das Holzland im Thüringer Becken

Rasenlabyrinth, Menhire und Museum
Friederike Bleul-Neubert


In dem Büchlein „Großsteingräber und Menhire - Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen“ von Britta Schulz-Thulin (Mitteldeutscher Verlag 2007, S. 112-117) ist eine Tour vorgeschlagen, die zu verschiedenen Menhiren und dem Rasenlabyrinth von Graitschen führt sowie den Besuch des Weimarer Museums für die Ur- und Frühgeschichte Thüringens empfiehlt. Vier Stationen habe ich gesucht, drei davon gefunden:

·  Das Rasenlabyrinth von Graitschen auf der Höhe,
·  den Menhir von Buttelstedt und vergeblich den Menhir von Ettersburg und
·  das Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens




Das Rasenlabyrinth von Graitschen auf der Höhe

Südlich von Naumburg, direkt nach der Thüringischen Grenze, liegt das kleine Örtchen Graitschen auf der Höhe, in dem eines der wenigen noch in Deutschland erhaltenen Rasenlabyrinthe zu sehen ist. (Bild 1) Graitschen gehört zu Schkölen und ist unter http://www.schkoelen.de/ortsteile/graitschen.html im Internet zu finden. Das Labyrinth ist sogar im Siegel des Ortes aufgeführt (Bild 2).

     
Bild 1: Labyrinth vom Eingang aus gesehen
Bild 2: Ein älteres Siegel des Ortes Graitschen

Die Hinweistafel am Fuß des Labyrinths nennt zwei Bezeichnungen: Trojaburg und Schwedenhieb. Sowohl im antiken Griechenland als auch in Skandinavien sind Labyrinthe weit verbreitet, so dass die Namengebung auf beide  Abstammungen hinweist. „Die Sage berichtet - deshalb auch der Name Schwedenhieb - dass hier im 30jährigen Krieg ein schwedischer Soldat mit einer Kanone bestattet worden sei. Zur Erinnerung an seine Heimat hätten die Soldaten das Labyrinth auf dem Grab angelegt. Die ältesten schriftlichen Überlieferungen zu dieser Anlage stammen aus dem 19. Jahrhundert. Ursprünglich lag das Labyrinth nicht auf einem Hügel, sondern war wie auch das in Steigra an der Unstrut liegende, ebenerdig. Der Hügel entstand erst im ausgehenden 19. Jahrhundert durch Kiesabbau.“
(Text der Hinweistafel)

    

Bild 3: Zeichnung der Umgänge
Bild 4: Der ganze Platz ist ausgefüllt mit dem Labyrinth

Die Form des Labyrinths ist klassisch, allerdings mit 11 Umgängen (Bild 3). Es liegt auf einem Hügel, ist aber so eng von Buschwerk umgeben, dass es schwierig ist, beim Gehen des äußeren Umgangs auf der Spur zu bleiben. Auch ist kein Ausblick auf die Umgebung möglich. Dadurch allerdings ist es möglich, sich ganz auf das Gehen im In-sich-gekehrt-Sein konzentrieren. Der Ort ist so klein und abgelegen, dass höchstens einige Alltagsgeräusche aus der Nachbarschaft und Vogelgezwitscher durchdringen. Es ist eine sehr intime Erfahrung, weil kein Platz für mehrere
Menschen gleichzeitig ist (Bild 4).

Das Labyrinth ist wohl recht bekannt, da es in einigen Werken und Links über Labyrinthe vorkommt und dort abgebildet ist (s.u. Literaturangaben)


Der Menhir von Buttelstedt (und der Menhir von Ettersburg)

Kurz vor der nördlichen Ortseinfahrt nach Buttelstedt auf der B 85 steht der Menhir von Buttelstedt rechts am Straßenrand neben einer kleinen Haltebucht. Das ist nicht sein ursprünglicher Ort, es wird ein Standort auf einer Höhe oder einem Hügelgrab (s.Hinweistafel, Bild 6) angenommen. Zur Zeit ist er 2,50 m hoch, soll aber früher mindestens 2,80 m hoch gewesen sein. Er besteht aus Muschelkalk und ist bearbeitet.

„Im Volksmund ist der Menhir nicht nur als >Langer Stein<, sondern auch als >Wetzstein< bekannt. Die Sage berichtet, dass er einst einem Riesen, der damit seine Sense schleifen wollte, von einem anderen Riesen aus Ettersburg zugeworfen wurde.“ (Schulz-Thulin, S. 114)

     

Bild 7: Hinweistafel
Bild 8: Standort zwischen Haltebucht und Hecke

Ettersburg liegt ganz in der Nähe und war auch mein nächstes Ziel. Möglicherweise bestanden zur Zeit der Errichtung kultische Verbindungen zwischen den beiden Stätten, so stelle ich mir die Entstehung der Sage vor.

Der Stein ist von zarter Anmut, aber durch den Standort direkt an der Straße verliert er viel davon. Ständig brausen Autos vorbei, der Platz ist eingezwängt zwischen der Haltebucht und einer hohen Hecke. Intimität kann nicht aufkommen, weder für eine Einzelperson noch für eine Gruppe (Bild 8).

10 km weiter über die thüringischen Bodenwellen suche ich nach dem Menhir von Ettersburg. Leider ist der beschriebene Weg nicht mehr mit dem Auto befahrbar, sondern ab Schloss Ettersburg nur noch zu Fuß über einen 3,5 km langen Weg erreichbar. Da meine Zeit begrenzt war, habe ich dieses Ziel erst mal für später aufgehoben.


Das Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens

Humboldtstr. 11, 99423 Weimar, Öffnungszeiten 9.00/10.00 bis 17.00 Uhr

Weimar hat nicht nur Schiller und Goethe zu bieten, sondern auch noch ein gut bestücktes Museum mit Knochen, Scherben, Werkzeugen usw., was eben so aus der Frühzeit der Menschen aus der Erde herausgeholt worden ist. Die frühesten Funde sind ca. 400.000 Jahre alt (Mittelpleistozän) und stammen vom „homo erectus“, der in der Nähe der thüringischen Ortschaft Bilzingsleben südlich vom Kyffhäuser ausgegraben wurde. Werkzeug, Siedlungsspuren, die Bearbeitung von Knochen und Begräbniskultur geben Hinweise das soziale und kulturelle Verhalten dieser frühen Vormenschen. Nachbildungen zeigen vor allem Männer bei der Jagd, auch meine Recherche im Internet unter http://home.arcor.de/Cernunnus/index.html (ehemaliger Förderverein Bilzingsleben e.V.) und https://de.wikipedia.org/wiki/Fundplatz_Bilzingsleben ergeben vor allem die traditionelle patriarchale Deutung, z.B. das wegen der nachgewiesenen Jagd auf Elefanten ein differenziertes Sprachvermögen vorhanden gewesen sein muss.

Im weiteren Verlauf der Frühgeschichte wird aber geschlechtsneutral von Sammeln und Jagen gesprochen. Dass der „homo sapiens“ auch eine Frau sein kann, zeigt die Installation einer Frau, die einen erlegten Biber zerteilt. Es ist offensichtlich, dass sie das Tier selbst gejagt hat (Bild 9).

    
Bild 9: Archaischer Homo sapiens, Ehringsdorf (Postkarte des Museums)
Bild 10: Frauenstatuetten aus Oelknitz

Aus dem Jungpaläolithikum (12.000/11.000 v.u.Z.) stammen stilisierte Frauendarstellungen aus der Ortschaft Oelknitz, so wie sie auch in Nebra gefunden worden sind, und wie sie aus den Gravierungen der Schieferplatten von Gönnersdorf bekannt sind (Bild 10).

Zwei Funde aus der germanischen Zeit Thüringens (ab 300 v.u.Z. bis ca. 200 n.u.Z.) finde ich noch interessant: ein Krug in Form eines Schweins (Bild 11) und eine Göttinnenfigur (Bild 12).
 
Bild 11: Gefäß einer Sau
Bild 12: Statue der Göttin Abnoba

Die heilige Wildsau wurde im vorchristlichen Raum weithin verehrt. Auf der Texttafel wird aber der Krug als  Darstellung des Ebers, als Verehrung des nordischen Gottes Freyr bezeichnet. Mir sieht dieses Gefäß aber eher wie eine Sau aus.

Zwischen allen möglichen Fundstücken steht fast unbeachtet eine kleine Göttinnenfigur, bezeichnet als Diana Abnoba. Dies ist der Name einer keltischen Müttergöttin, die den
Schwarzwald personifizierte (Wikipedia: Stichwort Abnobia = Schwarzwald). Wie es zum Fund in Thüringen gekommen ist, stand leider nicht dabei.

Als letztes für uns Frauen Interessante möchte ich das Fürstinnengrab von Hassleben
erwähnen, das eine Frau mit reichhaltigen Grabbeigaben zeigt und einige Fundstücke von
einer Frau aus dem Opfermoor Niederdorla.

Zwei weitere Stationen dieser Tour sind die Menhire in Milda und in Waldeck, die ich aber nicht aufgesucht habe.

An den Fundstellen in Bilzingsleben und in Niederdorla gibt es Museen, die sind einen eigenen Besuch wert.

Friederike Bleul-Neubert


Literatur:
Engler, Michael: Labyrinthe - Magische Linien von Menschenhand; in: Helga Lippert (Hg): Terra X,
Vom Geheimbund der Assassaniden zum Brennpunkt Qumran, Heyne Verlag 2003
Hohmuth, Jürgen: Labyrinthe & Irrgärten, Frederking & Thaler, 2003
Kern, Hermann: Labyrinthe. Erscheinungsform und Deutungen 5000 Jahre Gegenwart eines Urbilds.
Prestel Verlag München 1982
Schulz-Thulin, Britta: Großsteingräber und Menhire - Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen,
Mitteldeutscher Verlag 2007, S. 112-117
http://www.begehbare-labyrinthe.de/index.php?screen_width=1280
http://www.eichfelder.de/kulte/labyrint/100Labyrinthe/100lab_9.html
http://home.arcor.de/Cernunnus/index.html (ehemaliger Förderverein Bilzingsleben e.V.)
https://de.wikipedia.org/wiki/Fundplatz_Bilzingsleben